Die - gefühlt - häufigsten Vokabel in den um diese Zeit des Jahres veröffentlichten persönlichen Jahresrückblicken waren "besinnlich" und "Innehalten".
In jedem einzelnen Fall wurden diese Worte ganz sicher in den ehrlichsten Absichten geschrieben.
Wenn das alles so ist, möchte jemand wie ich all die guten Menschen da draußen beim Wort nehmen. Grade dann, wenn es nun
- um Karl Valentin sinngemäß zu zitieren - nach der stillsten Zeit des Jahres endlich wieder ruhiger wird.
Eine Reihe von Fragen tut sich auf und regt an, eventuell eine Kette von leuchtenden Orientierungspunkten ins kommende Jahr zu legen.
In "BeSINNung" steckt der Sinn.
Und was könnte denn nun der persönlich passende Sinn-Stifter für das neue Jahr sein?
Was motiviert uns positiv so sehr, dass wir auch lästige Hürden und Hindernisse zu überwinden bereit sind?
Oder auch: Wie kann man es persönlich schaffen, aus der Besinnungslosigkeit des wütenden Beserkertums endlich wieder in ein friedliches und menschliches Miteinander
zu finden?
Wo wohnt der Trost und die Toleranz, um den eigenen Schmerz zu überwinden und den ersten Schritt auf den Mitmenschen zuzugehen?
Was könnte der Inhalt dieses ersten Schritts sein und wie sehr muss ich mich dafür überwinden?
Innehalten.
Innen. In mir drin.
Wo ist der rote Stopp-Knopf für mein Verhalten, mit dem ich bewusst oder unbewusst andere (geliebte) Menschen notorisch
verletze?
Wann ist die beste Gelegenheit, diesen Stopp-Knopf zu drücken?
Wie erkenne ich diesen Moment, wo ich mit einfachen Mitteln erste zarte Veränderungen des ewig Gleichen verursache - nur, weil ich aufhöre mit dem ewig gleichen
toxischen Muster?
Wo ist die Haltestelle, an der ich Aussteige aus dem Bus der Verwüstung und Umsteige in den Zug der Veränderung?
Wohin kann ich mich bewegen, WEIL ich stehen bleibe und innehalte?
Was zeigt mir mein Kompass, wenn ich ihn nicht weiter zwinge, wegen meiner andauernden Spurwechsel ununterbrochen den Kurs neu zu berechnen?
Wer kann dann zusteigen, wenn ich endlich stehenbleibe - und wer steigt dann endlich aus, der mir andauernd ins Lenkrad gegriffen hat?
Zur Besinnung kommen.
Innehalten.
Mehr als nur Kalendersprüche.
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Marcus Rottet (Freitag, 27 Dezember 2024 10:01)
Sehr g‘scheite Gedanken, alter Freund. Haben mich wieder mal zum Nachdenken gebracht. Alles nicht so easy. Bussi und danke