Meine Enkelin Theresa und ich haben 0,0 Prozent gemeinsame DNA, weil sie mein Incentive aus dem wunderbaren Patchwork zwischen Gabi und mir ist. Und das ist vollkommen wuascht, weil wir uns
seit sie auf der Welt ist und mir mit ihren großen blauen Augen mitten ins Herz geschaut hat, einfach ganz großartig verstehen.
Ich liebe es, Ihr Geschichten zu erzählen.
Geschichten, die nicht ganz wahr sind. Bei denen ich meine Phantasie fliegen lassen kann, mit Luftballons, die ich aufsteigen lasse und wir gemeinsam schauen, wo die
hinfliegen.
Mein Role Model ist mein geliebter Sonnberger-Opi, der es in der Disziplin des glaubwürdigen Flunkerns zu einer unerreichten Meisterschaft gebracht hatte.
Der Opi hat im ersten Weltkrieg in fünf Isonzo-Schlachten gekämpft und hat dabei schwere Verwundungen davongetragen. Sein linkes Bein war dauerhaft beschädigt und krümmte sich in einem
eindrucksvollen Bogen vom Knie an auswärts.
Und in seinem eindrucksvollen robusten Genick - das äußerliche Symbol seiner Halsstarrigkeit - steckte ein Granatsplitter, den man nicht entfernen konnte, ohne sein Rückenmark zu
beschädigen. Man konnte einen kleinen Mugel sehen, wo der Splitter von innen gegen die Haut drückte. Opi lag deswegen beim Schlafen gern auf der Seite.
Auf meine neugierige Frage, wo der Mugel denn herkäme, antwortete er dem Fünfjährigen so, dass der Schrecken des Krieges für mich verkraftbar war: "Weißt Du Hanserl, damals im Krieg, da hab
ich Hunger gehabt und einem Bauern ein Hendl gestohlen. Und wie ich so in der Sonne sitze und das Hendl rupfe, fliegt eine Granate in das Glashaus hinter mir. Und da ist mir so ein Glassplitter
hinten in den Hals gefahren. Hat mich nicht weiter gestört, das Hendl hat mir ganz wunderbar geschmeckt!"
So war er, der Opi und ich liebe ihn noch heute.
Und neulich saßen wir in der Familienrunde im "Bootshaus" an der Alten Donau und nach Fraß und Völlerei sage ich zur 8-jährigen Theresa:
"Ach, Schatziiii, ich glaub, ich hab einen Walfisch gegessen, so voll ist mein Bauch!" Und Theresa springt auf, durchmisst mit schnellen Schritten das Lokal und sagt: "Geh, Opi, das kann nicht sein, ein Walfisch wäre doch soooo groß!"
Zwei Wochen später sagt sie mir: "Ich sag Dir was: Dir glaub ich nix mehr, Du erzählst mir immer solche Schwindeleien!" Das hat mich nun wirklich ganz tief im Herzen getroffen.
Und beim nächsten Wiedersehen machte ich ihr dann einen Vorschlag: "Weißt Du, ich liebe es, so Phantasie-Geschichten mit Dir zu wälzen, aber ich mag nicht, dass Du mich für einen Schwindler
hältst. Deswegen werde ich immer, wenn ich so eine Flunkerei loslasse, vorher sagen: Achtung, Walfisch! Dann weißt Du, dass ich am Blödeln bin."
Theresa fand das gut und der Modus funktioniert großartig. Ihre 6-jährige Schwester Franzi war auch dabei, hat statt Walfisch WalDfisch verstanden und so haben wir gleich eine weitere
Fantasy-Dimension, über die man ganz toll schwafeln kann.
Wenn ich diese wunderbaren Ausritte in ein anderes Leben nicht hätte, wäre es zum "aus der Haut fahren". Ich kann kein Medium mehr konsumieren, ohne auf Schritt und Tritt von den übelsten
Lügen in den Verästelungen meines Intellekts beleidigt zu werden. Achtung: Es sind nicht die Medien, die mich belügen - zumindest belügen mich "meine" Medien gefühlt bis jetzt nicht - sondern es
sind die Lügen, über die sie berichten. Trump, Kickl, Musk-Hitlergruß, Zuckerberg, Bezos, you name it...
Sowas geht ins Eingemachte. Und könnte bei Unachtsamkeit mein altes Vorhofflimmern reaktivieren.
Mein heute entstandenes Gegenkonzept, um mich vor dem Durchknallen und der Überdosis zu schützen:
Ich lese keine News mehr.
Auf dem Handy hab ich die Kindle-App für unterwegs und da zieh ich mir grade das neueste Meisterwerk meines geliebten ehemaligen Kreativ-Partners Wolf Haas rein:
"Wackelkontakt".
Am Nachtkastl liegt "Nexus" von Yuval Harari, ein Geschenk vom Schatzi-Christkind, das immer(!) so genau weiß, wie man mir ganz tief drinnen eine Riesenfreude macht.
Und ab und zu unterschreib ich Petitionen, die mir per WhatsApp zugeschickt werden.
Dass Schwarz/Rot/Pink nochamal verhandelen sollterten. Dass das Justizministerium in unabhängige Expert*innen-Hände kommen soll.
Was man sich als linksversiffte Gutmenschen-Zecke halt so wünscht, wenn der Tag lang ist.
Und ich schreib mit Leidenschaft an meinem nunmehr 8. Buch: "Freude am Führen".
Mein Schatziiii und ich sitzen am Esstisch einander gegenüber und klopfen in die Tasten und es fühlt sich soviel gut an.
Parallel checke ich bei der kanadischen Botschaft die Optionen für ein Dauer-Visum auf Vorrat. Wenns ganz blöd hergehen sollte...
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Marlies Nikbakhsh (Mittwoch, 22 Januar 2025 14:06)
Geh Hannes grad Kanada,dort wird sich doch Trump wichtig machen.
Ich grüße dich herzlich,Marlies