Schon seit Tagen geistert ein Gedanke in mir herum, den ich mir anfangs nicht erlauben wollte und nun schreib ich ihn halt auf.
Bei der vielfach erwiesenen Irrelevanz meiner Person bei Themen dieser Art ist es eh wuascht.
Grade heraus: Ich war und bin ein glühender Fan von Andi Babler. Und trotzdem glaube ich, dass die SPÖ mit ihm keine Wahlen gewinnen kann.
Wie viele andere, deren Anzahl am Ende doch bei weitem nicht gereicht hat, war ich felsenfest sicher, dass sein in den Wurzeln sozialdemokratisches Wahlprogramm endlich die klare Kante zeigt, die schon so lange gefehlt hat.
Das Ergebnis ist allerdings niederschmetternd.
Rechnet man ca. 5 Prozentpunkte grüne Leihstimmen ab, dann bleibt ein Kern von 15% für die SPÖ. Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.
Nach 20 Jahren Arbeit für Marken und weiteren 20 Jahren Arbeit für Menschen weiß ich:
Das ist ein totes Pferd, mit dem man nirgendwo mehr hinkommt.
Und es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, deren Bejammern niemandem nützt.
Was haben Medien wie der "Standard" den Andi runtergeschrieben! Weil er Dialekt spricht! Weil er eine Marx-Büste im Bücherregal stehen hat. Weil er rote Inhalte pusht.
Und dann geht das große Jammern los, wenn die Faschisten das "Scheißblatt" abdrehen wollen.
Ich habe selbst vergessen, was ich vor Jahren schon wusste (hier auch nachlesbar): Die BILLA-Kassierin, von der Andi geredet hat, ist längst an die Faschos verloren und kommt nicht wieder. Detto die Migrant*innen der zweiten und dritten Generation. Die wollen keinen weiteren Zuzug und dieses Phänomen kennt man schon seit 150 Jahren aus Ländern, in die viel eingewandert wird.
Nach all den Anwürfen und Naserümpfungen über Andreas Babler kommt der Arme, den schon ein Excel-Sheet am LeMans-Start gehindert hat, einfach nicht aus der Box.
Die SPÖ braucht einen vollständigen Reboot.
Ausschalten. Einschalten.
Komplette Cache-Leerung.
Mit einem Programm, das sowohl soziale Wärme,
als auch wirtschaftliche Vernunft abstrahlt. Und eine ehrliche Zuwanderungspolitik mit einem ehrlichen Integrationsprogramm, das eben Integration und nicht Assimilation verlangt.
Und die SPÖ braucht eine neue Frontfigur.
Weil - so isses nunmal - die derzeitige zu meinem größten Schmerz keine Lokomotion (breit angelegtes Mitreißen) und keine Kohäsion (tief wirksamer Zusammenhalt) mehr auf die Reihe kriegt.
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Peter (Donnerstag, 06 Februar 2025 10:47)
Wir alle werden am Neustart gemeinsam arbeiten müssen!
Marcus Rotter (Donnerstag, 06 Februar 2025 10:51)
Ich bin deiner Meinung, Hannes. Du erinnerst dich an unsere Telefonate. Schwierig.
Andreas (Donnerstag, 06 Februar 2025 11:03)
I feel you. Siehst Du eine/n KandidatIn?
Hannes Sonnberger (Donnerstag, 06 Februar 2025 11:15)
Antwort an Andreas: Wenn ich jetzt einen Namen sage, ist das das schlechteste Karma für den/die, der/die es aus meiner Sicht werden soll. Ich werde mich aber auf die Brust der betreffenden Person knien und mein Bestes versuchen.
Birgit Brunner (Donnerstag, 06 Februar 2025 11:36)
Genau für diese Schreibe lieb ich dich (auf d'Weitn und unbekannterweise sei mir das verziehen ;-)
Dankeee, besser kann man es nit beschreiben - und die große Wertschätzung AB ggü tröstet!
Babler (Donnerstag, 06 Februar 2025 11:38)
Lieber Hannes, wie immer kann ich Deiner Analyse nur voll zustimmen! Nur: Glaubst Du, dass von der Politik überhaupt eine Erneuerung der Gesellschaft ausgehen kann? Oder von der Wirtschaft? Ich denke, dass nur die Zivilgesellschaften zu einem Innovativen Paradigmenwechsel in der Lage ist: NGOs, NPOs, Kunst und Sport vereinigt Euch!
Herzlich Othmar Hill
Christian Bergbauer (Donnerstag, 06 Februar 2025 12:47)
Du hast komplett recht. Leider.
Tibor (Donnerstag, 06 Februar 2025 14:13)
Babler scheitert nicht am Dialekt oder dergleichen, sondern an seinem Konzept einer Sozialdemokratie, das aus der Vergangenheit kommt.
Rendi-Wagner war der umgekehrte Fall:
sie ist an einem komplett fehlenden Konzept der Sozialdemokratie gescheitert.
Palme, Kreisky, Blair… waren nicht deshalb erfolgreich, weil sie coole Jungs waren.
Sondern deshalb, weil sie das jeweils zeitgemäße Konzept einer sozialdemokratischen Politik hatten.
Ich fürchte Rebooten hilft nichts,
wenn nach dem Neustart wieder das alte Betriebssystem hochfährt.
Klüger wäre es, mit humanistischer Intelligenz ein neues Betriebssystem für das 21. Jahrhundert zu entwickeln. Um dann den/diejenigen an die Spitze zustellen, die das am besten verkörpern.
Sonst gibts nur Neustarts mit Systemabsturz in Folge.