Innenleben.

So vieles bebt und vibriert in diesen eigenartigen Zeiten und das Bestreben, äußere Ruhe und inneren Frieden aufrecht zu erhalten, gerät zur dauerhaften Anstrengung. 

Es tut richtig weh, wenn ein Mantra, an das ich zuinnerst glaube, von Unmoral und Niedertracht angegriffen und abmontiert wird. Dass am Ende eines Konflikts die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten stehen soll, wird gerade von oben bis unten, von vorne bis hinten ignoriert und von einem politischen Silberrücken, der brusttrommelnd aus der Prärie torkelt, kaputtignoriert. 


Ich möchte aber unbedingt dort, wo es noch zivilisiert zugeht, auf dem Mantra der gegenseitigen Handlungsfähigkeit beharren, weil ich die Regression ins Neandertal nicht ertragen kann.


Zugleich ist es mir unmöglich, all jene zu ertragen, die im Wissen um die aktuellen "major player" nach wie vor säuseln, es müsse doch einen Verhandlungsfrieden geben. Wo doch bei den zu erwartenden Verhandlungen das historisch außer Streit stehende Opfer nicht einmal am Tisch zugelassen wird und sich einer Täter/Opfer-Umkehr ausgesetzt sieht, für die es auf der Unverschämtheits-Skala gar keinen Wert mehr gibt. 


Es kotzt mich so an, dass ein höchst zweifelhaft beleumundeter Krimineller an den Stellrädern hantieren darf und alles verrät, was über viele Jahrzehnte zu den Kronjuwelen von Demokratie und Menschenrecht zählte. 

Es raubt einem den Atem und den Schlaf, wenn man ohnmächtig beobachten muss, wie der einstmals stalinistische ideologische Erzfeind zum rabiaten Faschisten geworden ist und nun den Schulterschluss mit jemandem vollzieht, der ebenfalls zum Faschisten mutierte und auf die Gräber all jener pisst, die ihr Leben und ihre Familien der Bekämpfung dieser Pest gewidmet haben. 


Es widert einen an, dass man sich in Anbetracht dieser Unerträglichkeiten wünschen muss, dass dieser Konflikt auf dem Schlachtfeld geklärt wird - mit einer krachenden Niederlage des Angreifers. 

Was soll ich meinen Enkeln erklären, wenn nun bereits die objektive Wahrheit umgeschrieben wird? So umgeschrieben, dass Putin seine amerikanische Marionette lobt und dieses toxische Lob nicht sofort zu einem Impeachment des "Gelobten" führt!


Irgendwie dachte ich für eine gefährlich lange Zeit, dass es keinen weltumspannenden Würgegriff des Faschismus mehr geben wird. Und nun entspinnt sich von West nach Ost eine stählernes Kabel, das der Demokratie um den Hals gelegt wird und das sich immer enger zuzieht. 


Vielleicht liegt es an der Auswahl meiner Medien, vielleicht ist es aber auch "tatsächlich" so, dass sich in den USA kaum öffentlich wirksamer Widerstand regt und wenn das so ist, bestätigt es meinen Verdacht der fahrlässigen Lahmarschigkeit der Dems. 


Ganz sicher muss Europa schnell und radikal umdenken und sowohl eine eigene Verteidigungskraft entwickeln, als auch sofort der Ukraine beistehen. 

Das schreibt grade jemand, der sich noch vor kurzem über die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht in anderen europäischen Ländern gefreut hat und jetzt echt die Hosen voll hat, weil der Untergang der Ukraine einen apokalyptischen Dominoeffekt nach sich ziehen kann.


Oben, unten, links, rechts, vorne, hinten:

Das gesamte Koordinaten-System ist im Chaos.


Gegen das, was wir jetzt für "Frieden" halten, war der Kalte Krieg ein Ponyhof - und ich weiß, dass Millionen Menschen, die erst seit 1989/90 in Freiheit leben, das jetzt anders sehen oder zumindest sehen sollten...

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Kommentare: 1
  • #1

    Robert Dengscherz (Mittwoch, 05 März 2025 13:53)

    Die mit dem Ende der bipolaren Weltordnung aufgetauchte Idee der Friedensdividende hat sich als Sackgasse herausgestellt. Wenn wir nicht untergehen wollen, müssen wir vieles an Nachrüstung aufholen. Das ist vielleicht das schlimmste, was uns Putin gebracht hat. Zusammen mit dem Gefühl, dass man als Staat, um sicher vor den großen Nuklearbullys zu sein, selber eine Atomkeule braucht.
    Mein absoluter Pazifismus hat seine ersten Risse mit dem Jugoslawienkrieg (den ich in vielen Details und Abläufen wie ein Dioramamodell des Ukrainekonflikts sehe) bekommen. Mittlerweile denke ich, immer noch leider, wie schon die alten Römer: Si vis pacem para bellum (Wer den Frieden will, bereite sich auf den Krieg vor).
    Noch ist es nicht zu spät, die Abhängigkeiten zwischen der schier unbezwingbaren Militärmacht über dem großen Teich und uns gerne kleiner geredetem Europa sind nicht einseitig. So wurde gerade erst das europäische Galileo Sat-Navigationssystem finalisiert, es ist wesentlich genauer als GPS. Auch wachsen Konkurrenten zu Starlink heran. In Kanada und auch in Europa.
    Schließlich gibt es globale technologische Nadelöhre. So etwa werden große Radialschmiedemaschinen, wie man sie für die Herstellung großkalibriger Geschützrohre höchster Qualität braucht, weltweit an einem einzigen Ort hergestellt. In Steyr.
    Und auch bei UV-Lasern wie man sie für die Herstellung von Höchstleistungsmikrochips braucht hat die EU die Nase vorn. Die Belichter werden nur von einer niederländischen Firma produziert.
    Europa kann, wenn es zusammenarbeitet und beharrlich etwas betreibt, durchaus die USA in die Schranken weisen, wie es Airbus Industries beweist, die ihren großen Mitbewerber Boeing zur Zeit alt ausschauen lassen.