Die dritte Leseprobe.

"Lob ist kein hierarchisches Macht-Instrument, 

sondern der Hebel zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung.

Ich möchte unbedingt ein Loblied auf das „Lob“ singen. 

Erstens, weil es sich diese Würdigung aus meiner Sicht wirklich verdient hat. Und zweitens, weil das Lob ein bisschen in Verruf geraten ist und das halte ich für im höchsten Maße ungerecht. 


In der Transaktions-Analyse gibt es den Ich-Zustand des „Eltern-Ichs“ und der wiederum ist gesplittet in das „gütige“ und das „kritische“ Eltern-Ich. Wenig überraschend stammt das Lob aus dem gütigen Eltern-Ich. 

Nun gibt es strenge Kommentator*innen, die sich daran stören, dass das Eltern-Ich per se einen hierarchischen Bezug zu den Adressat*innen herstellt und demgemäß das Lob „von oben nach unten“ kommt. 


Aus diesem Umstand wird dann abgeleitet, dass Lob die Empfänger*innen klein macht und außerdem einen weiteren unerwünschten Kollateral-Effekt nach sich zieht: Lob kann wie eine Droge wirken und seine Empfänger*innen in ein Abhängigkeits-Verhältnis zu den Lobenden bringen. Daraus erwächst dann ein ungesundes „sozial erwünschtes“ Verhaltensmuster, das die Gelobten ihrer Authentizität beraubt und zu Marionetten der Lobenden macht.


Ganz ehrlich: Das kann selbstverständlich alles sein und wenn es so ist, ist es nicht gut. Noch einmal ganz ehrlich: Solange ich in so vielen beruflichen Biotopen klaffende Krater der Abwesenheit von Lob und Anerkennung sehe, schreckt mich die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Nebenwirkungen der „Droge“ Lob kein bisschen.


Wollen wir doch auch ansatzweise vom selbstbestimmten Menschen ausgehen, der imstande ist, unehrliches Gesülze von ehrlicher Begeisterung und Dankbarkeit für erbrachte Leistungen zu unterscheiden und der darüber hinaus durchaus ansprechbar ist, wenn jemand aus der übergeordneten Etage diese Begeisterung artikuliert. 


Einen Fingerzeig möchte ich sehr gerne noch platzieren: Lob soll zeitnah, begründet, aber unbedingt bedingungslos erfolgen. 

Das bedeutet: Warte nicht auf irgendein Regel-Meeting, wenn Deinem Team etwas Tolles gelungen ist. Geh spontan und direkt auf Deine Leute zu und sag ihnen, wie großartig Du den aktuellen Erfolg empfindest, wie dankbar Du für den geleisteten Einsatz bist und wie sehr Du Dich darüber freust. 

Und dann lass genau dieses Lob einfach einmal mindestens einen halben Tag lang so stehen. 

Lass es wirken. 


Und verbinde – bitte! – das wunderbare spontane Lob NICHT mit der Verknüpfung mit einer neuen Challenge.Denn was lernt Dein Team daraus? Achtung, Lob im Anmarsch, jetzt kommt gleich das nächste Himmelfahrtskommando, rette sich, wer kann!"


"Freude am Führen" erscheint am 4.4.2025

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